Kritische Gefilde

29. März 2011, Beiträge

Wenn ich in die schönen Landschaften Deutschlands blicke, entspannt mich das – und stimmt mich nachdenklich zugleich. Es beruhigt mich, auf einer Anhöhe zu sitzen und den Blick schweifen zu lassen. Ich werde hineingezogen, lasse ab von der Hektik und dem Einerlei des Alltags. Doch in unseren heimischen Landschaften ist es nicht nur idyllisch.

Plötzlich wird mein Blick verunsichert. Wieso ist ein Kernkraftwerk in diese urtümliche Landschaft eingebettet? Es ist für mich und meine Mitmenschen tätig, soll mich mit nötiger Energie versorgen, um meinen Lebensstandard zu gewährleisten. Dabei verändert es meinen Lebensraum deutlich. Durch seine Anwesenheit, seine ungelösten Probleme, seinem Risiko.

Als kritischer Zustand wird der reguläre Betriebszustand eines Kernreaktors bezeichnet, in dem eine sich selbst erhaltende Kettenreaktion abläuft. Hieran orientiert sich der Titel meiner fotografischen Serie aus Landschaftsaufnahmen. Die Serie zeigt alle Kernkraftwerke, die in Deutschland bis zum von Angela Merkel verkündeten Moratorium im März 2011 aktiv waren.

Kritische Gefilde macht aufmerksam und diskutabel – kommt nicht mit dem Zeigefinger, sondern bildet eine Plattform, sich konstruktiv auseinanderzusetzen. Die Arbeit stellt dezent die Frage nach der Relevanz des Menschen: Wie wichtig sind wir denn eigentlich? Sind unsere kurzfristigen Bedürfnisse tatsächlich über den Erhalt unseres Lebensraums zu stellen? Ein Lebensraum, auf den wir angewiesen sind, der unser Leben erst lebenswert macht!

Als die Arbeit in den Jahren 2008 und 2009 entstand, herrschten beim Thema Kernkraft vielerorts Vorurteile – durch Hörensagen ohne konkrete Hintergrundinformationen. So hörte man oft, dass Kernkraft einfach nötig sei, um den Bedarf zu decken. Dabei ist es kaum jemandem bewusst, dass durch Laufzeitverlängerungen sinnvolle Projekte wie etwa Strom im Austausch mit Norwegen zu nutzen direkt zerschlagen oder auf Eis gelegt werden. Wasserkraft könnte ohne Probleme zu uns eingespeist und sogar überschüssige deutsche Windkraft über norwegische Anlagen gespeichert werden. Aber aus politischen Gründen könnten momentan keine wirtschaftlichen Investitionen getätigt werden. Da fragt man sich doch, wo blockiert wird. Doch von Seiten der Politik gibt es hierzu keine Stellungnahme.

Als Gestalter will ich Stellung beziehen!

Die Zeit für einen Umschwung ist da, und wir müssen uns daran beteiligen.
Damit wir nicht eines Tages sagen müssen:
»Das werden wir uns niemals verzeihen!«


Anja lebt und arbeitet als freie Fotografin in Hamburg. Hier bearbeitet sie ökologische und soziale Projekte in freien Arbeiten als auch inszenierte werbliche Aufträge. Ihre Faszination für Fotografie und nördliche Regionen ließ sie ein halbes Jahr in Kanada leben und arbeiten. Nach ihrem abgeschlossenen Studium an der Hochschule Darmstadt war sie Stipendiatin als Wissenschaftsfotografin Rhein-Main-Neckar. Sie ist sehr an erneuerbaren Energien interessiert und plant hier aktuell weitere Projekte.
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